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 How to create a Schüler_innenzeitung

 

Selbst schreiben statt vorschreiben lassen!
Zu Beginn...


Medien als vierte Macht im Staat. Neben Legislative, Exekutive und Judikative hat vor allem die Presse die Möglichkeit, die Geschicke unseres Landes massiv zu beeinflussen. Den Medien obliegt es, wichtige Fragen aufzuwerfen oder ein Thema zum Thema zu machen. In unserer Wissens- und Informationsgesellschaft gilt es, aus einem großen Pool an Daten und Fakten auszuwählen und zu selektieren. Dabei wird oft um Personen, Vorfälle und Ereignisse ein riesiger Hype betrieben, andere wiederum werden demonstrativ ausgespart. Was in keiner Tageszeitung oder nicht im Internet zu finden ist, hat keinen Zugang zu einer breiten Öffentlichkeit - es existiert nicht.


1. Idee
Die ideale Plattform


Was für Tagesblätter und Magazine gilt, gilt auch für Schüler_innenzeitungen - natürlich in kleinerem Rahmen. Dennoch ist eine gut funktionierende Schüler_innenzeitung eine ideale Plattform, um eure Meinungen kund zu tun und wichtige schulpolitische Themen aufzugreifen. Im Vordergrund steht vor allem der Vernetzungsgedanke, der mit Hilfe einer Schüler_innenzeitung realisiert werden kann. Ihr könnt gezielt auf unfaire Notengebung, launische LehrerInnen oder abgestellte Heizungen aufmerksam machen. Nichts spiegelt das Schulklima und die Schulgemeinschaft besser wider als eine Zeitung von Schüler_innen für Schüler_innen.


Neue Fähigkeiten erwerben

Aber das Herausgeben eines Mediums eröffnet viel mehr Möglichkeiten als Themensetting oder das Bekanntmachen von Vorhaben der Schüler_innenvertretung. Vor allem geht es auch darum, gemeinsam ein Projekt zu planen und dieses durchzuziehen. Dabei ist gutes Auskommen untereinander und ein angenehmes Arbeitsklima unverzichtbar. Außerdem eignet ihr euch Fähigkeiten an, die im normalen Schulalltag zu kurz kommen: Teamwork, Projektmanagement, Layout, Fotografie und und und...


Know-How


In dieser Broschüre findet ihr sämtliches know-how und do-how, um das Projekt "Schüler_innenzeitung" zu starten. Von der ersten Redaktionssitzung über Layout bis hin zur Produktionsweise findet ihr sämtliche Infos. Natürlich erhebt diese Broschüre keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit und aufgrund des Bestrebens nach Kompaktheit kann es sein, dass ihr euren Wissensdrang nur bedingt stillen könnt. Natürlich müsst ihr auch nicht die ganze Broschüre von vorne bis hinten durchlesen, um für die Herausgabe eurer Zeitung gewappnet zu sein. Greift bei Bedarf immer wieder auf dieses kleine Heftchen zurück und pickt euch die gewünschten Informationen heraus.
Das Team einer Schüler_innenzeitung
Steht die Idee, eine Schüler_innenzeitung herauszugeben, einmal im Raum, heißt das nicht, sich sofort hinter einen Computer zu klemmen und die ersten Artikel zu verfassen. Der Zusammenschluss von interessierten und engagierten Leuten zu einem Redaktionsteam und eine intensive Zielsetzungs- bzw. Planungsphase stehen anfangs im Vordergrund. Wichtig ist, Schritt für Schritt vorzugehen und entsprechende Handlungsschritte zeitgerecht zu setzen. Und genau das machen wir jetzt!


Infrastruktur


Zur Produktion und Gestaltung sind keinesfalls spezielle Räumlichkeiten (z.B. Büro) oder ein eigener Telefonanschluss notwendig. Im Idealfall finden die Redaktionssitzungen und Besprechungen am Nachmittag in einer freien Klasse der Schule statt. Falls der/die DirektorIn dies nicht erlaubt, ist auch ein Cafe akzeptabel. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, die Treffen in aks-Räumlichkeiten in der Nähe abzuhalten, wo Computer und Kopierer benützt werden können. An nötigem Platz oder geistiger Bewegungsfreiheit wird es also nicht scheitern. Die Artikel selbst entstehen ohnehin meist zu Hause oder können im EDV-Saal der Schule abgetippt werden.


Teamwork
 


Gemeinsam statt einsam - von Anfang an muss klar sein: das Arbeitsvolumen einer ordentlich gemachten Schüler_innenzeitung übersteigt in jedem Fall die Leistungsmöglichkeiten einer einzelnen Person. Am besten man macht sich zu zweit auf den Weg, um KlassenkollegInnen oder Freund_innen aus anderen Schulstufen für das Projekt "Schüler_innenzeitung" zu begeistern. Vor allem sollten Plakate in der Schule angebracht werden, auf denen alle Interessierten zur ersten Redaktionssitzung eingeladen werden (mit Name, Klasse und Kontaktnummer versehen). Außerdem können Fragen wie "Kann ich einen Hetzartikel über meinen Mathe-Professor schreiben?" oder entmutigende Aussagen wie "Das funktioniert sowieso nicht!" auftauchen. Eine genügende Portion gute Laune und passende Antworten dürfen hier nicht fehlen. Je offener und zugänglicher neue Ideen und Vorschläge aufgenommen werden, desto leichter wird es, SchulkollegInnen fürs Schreiben oder Layoutieren zu motivieren. Von Anfang an ist klar, dass es sich um ein Gemeinschaftsprojekt handelt und sich jedeR maximal einbringen kann. Dies bedeutet jedoch keinesfalls, dass "alle alles gemeinsam erledigen", sondern lediglich, dass das ganze Team entscheidet, was wie passiert.

Im Sinne der Produktivität und Überschaubarkeit ist Arbeits- und Ressortaufteilung unvermeidbar:


o Chefredakteur_in:

Er/Sie hat neben seiner/ihrer Tätigkeit als Redakteur_in eine organisatorische und koordinierende Funktion inne. Das heißt, dass er/sie die Redaktionssitzungen moderiert, säumige Artikel eintreibt oder noch einmal Korrektur liest. Er/Sie erntet also nicht nur das Lob für eine gelungene Ausgabe, sondern ist bei Problemen vermehrt der Kritik von Mitarbeiter_innen und Außenstehenden ausgesetzt.


o Redakteur_innen:

Bei einer Schüler_innenzeitung muss es keine starre Ressortaufteilung wie bei einer professionell gemachten Zeitung geben. Um jedoch die Vielfalt an Artikeln garantieren zu können, sollte es fixe Themengebiete wie z.B. Schulpolitk, Lehrer_innen, Filme, Literatur & Kultur etc. geben. Außerdem sind die RedakteurInnen für das Vorhandensein passender Fotos zu ihrem Artikel verantwortlich.


o Fotos:

Nicht immer ist einE Redakteur_in auch fototgrafisch begabt und meist fehlt ohnehin die Zeit, sich mit der bildlichen Gestaltung des Artikels intensiv auseinanderzusetzen. Im Idealfall gibt es ein bis zwei Personen, die als FotografInnen für passende Bilder sorgen und natürlich auch zu Redaktionssitzungen und Besprechungen eingeladen werden.


o Grafik & Layout:

Eine Zeitung lebt nicht nur von den Inhalten, sondern auch von der optischen Gestaltung und Aufbereitung. Insofern verhält es sich ähnlich wie bei den Fotos: Im Sinne der Arbeitsteilung sollte es SchülerInnen geben, die ausschließlich für das Layout verantwortlich sind und auch die Angelegenheiten mit der Druckerei regeln.


o Anzeigen (Inseratenaquisition):

Dieses Ressort sollte in einer Hand liegen. Wichtig ist hierbei, nicht nur Inserate zu keilen, sondern letztendlich auch das Geld einzutreiben.


Zielgruppe



Nachdem die Blattlinie festgelegt wurde sollte die Frage nach der Zielgruppe geklärt werden, sprich "Wer soll mit der Schüler_innenzeitung erreicht werden?". Denn sowohl der Inhalt als auch die layouterische Gestaltung richten sich vor allem nach dem Leser_innenpublikum selbst.

Die Zielgruppe wird charakterisiert durch:

    * Alter
    * Bildung
    * geografische & soziale Herkunft
    * Interessen
    * politische, moralische, ethische Einstellungen
    * Lese- und Medienkonsumverhalten
    * Anforderungen an das Medium

Wichtig ist auch, wie homogen die Zielgruppe ist. Je größer die Zielgruppe, desto unterschiedlicher sind die einzelnen Personen. Was das Leser_innenpublikum einer Schüler_innenzeitung betrifft, so ist dieses ganz leicht einzugrenzen. Der größte gemeinsame Nenner ist in jedem Fall das Schüler_innendasein, die selben LehrerInnen und das selbe Schulgebäude. Genügend Anknüpfungspunkte zu finden, dürfte also nicht schwer sein.
 Zeitungstitel

Für den Zeitungstitel ist es wichtig, dass...

    ... sich die Zielgruppe damit identifizieren kann (also eventuell etwas Schultypisches)
    ... er kurz, prägnant und einprägsam ist (nicht länger als zwei oder drei Silben)
    ... er mit der Blattlinie übereinstimmt (das angestrebte Image der Zeitung widerspiegelt)


Auflage

Die Auflage orientiert sich am Adressat_innenkreis und der damit zu erwartenden Absatzmöglichkeit. Richtet sich die Zeitung ausschließlich an Schüler_innen einer Schule, so wird die Auflagenhöhe eher gering sein. Das bedeutet zwar kleinere Ausgaben bezüglich der Gesamtproduktion, aber das einzelne Exemplar selbst wird teurer. Außerdem ist es schwierig, bei einer geringen Stückzahl Inserate zu ergattern. Zeitungen, die sich an mehrere Schulen richten, sind wegen der höheren Auflage zwar teurer, lassen sich aber auf Grund der steigenden Inseratepreise leichter finanzieren.

Folgende Faktoren sind zu beachten:

    * Größe der Zielgruppe
    * Nachfrage
    * Kaufkraft (Preis)
    * Produktionskosten
    * Inserateinnahmen

Die erste Ausgabe sollte in ihrer Auflage die Hälfte der Schüler_innenzahl nicht übersteigen!

Erscheinungszyklus

Die Schüler_innenzeitung sollte zumindestens viermal jährlich erscheinen, im Idealfall natürlich alle zwei Monate. Dieser Rhythmus ist anzustreben, um Kontinuität in den Produktionsablauf zu bringen und einen Wiedererkennungseffekt zu erzielen. Sobald eine gewisse Regelmäßigkeit eingetreten ist, sollte diese "mit allen Mitteln und Geboten" erhalten werden.

Don't panic: Geht im Schulstress wieder einmal alles drunter und drüber, kann eine Extraausgabe (kleinerer Seitenumfang) die Leser_innen bei der Stange halten.


Format

Das Format richtet sich vor allem nach Zweckmäßigkeit und Art der Vervielfältigung (Druck, Kopieren etc.). Das DIN-A4-Format wird bevorzugt ausgewählt, da es mit einem Kopierer am leichtesten zu vervielfältigen ist. Ein A3-Kopierer ist zumindestens die Voraussetzung, um lose zusammengelegte A4-Zeitungen herausgeben zu können.


 Umfang

Im Gegensatz zu Titel, Format und Grundlayout kann der Umfang der Zeitung je nach Anzahl und Wichtigkeit der Artikel variieren. Vier Seiten stellen jedoch das Minimum dar. Grundsätzlich sollte die Anzahl zwischen 12 und 24 Seiten liegen. Außer bei Kopien (wo ein loses Blatt in die Mitte eingelegt werden kann) muss die Seitenanzahl immer durch die Zahl 4 teilbar sein: ein Zeitungsbogen gibt exakt vier Seiten her, was unbedingt einzukalkulieren ist.


Druckverfahren
 


... ist abhängig von der Auflagenhöhe, der gewünschten Druckqualität und den vorhandenen Geldmitteln. (Genaueres dazu im Kapitel "Druck").


 Themenfindung

Nachdem die Rahmenvorgaben für die Zeitung festgelegt wurden, geht es an die Artikelauswahl für die erste Ausgabe. Am besten wird dazu ein Seitenspiegel angefertigt, in dem bereits fixe Artikel wie Kommentare oder Werbeeinschaltungen eingezeichnet sind. Somit ist der zur Verfügung stehende Platz klar ersichtlich und auch die Layouter_innen haben gleich eine Vorstellung. Die Themen selbst werden wieder an Hand eines Brainstormings ermittelt und sollten sich nach gewissen Kriterien richten. Sowohl der/die Chefredakteur_in als auch die anderen Mitarbeiter_innen sollten sich bereits im Vorfeld Gedanken über coole Stories und wichtige Inhalte machen. Die Titelstory stellt natürlich den interessantesten Beitrag dar und ist praktisch der "Aufmacher" der Zeitung. Ein prägnantes Titelbild sollte zur Hervorhebung des Themas beitragen.
 


Nachrichtenfaktoren:

 

Betroffenheit der LeserInnen:

    * etwas ist in deiner geografischen Nähe passiert
    * etwas betrifft dich persönlich (z.B.: Gesetzesänderung)
    * etwas betrifft Personen in ähnlicher Lage (z.B.: Schüler_innen anderswo)
    * etwas betrifft jemanden, den du kennst und der dich interessiert (z.B.: Stars)

Besonderheit der Meldung ("fällt aus dem Rahmen")

Exklusivität der Meldung

Aktualität der Meldung

Besonderheit der Meldung

Human Interest:

    * "bad news is good news"
    * Kinder, Tiere, Tränendrüsen
    * Sex & Crime
    * Skandale

Eine ausgewogene Mischung der Artikel ist genau das Richtige für das Medium. Die Chance von Schüler_innenzeitungen liegt besonders im lokalen/schulbezogenen Bereich!

Wer schreibt was?

Wichtig ist, im Vorfeld über die essentiellen Aussagen und die Art jedes einzelnen Artikels zu disktutieren und diese auch festzulegen. Im Nachhinein Artikel umzuschreiben ist meist aus Zeitgründen sehr schwierig und führt nur zu Unmut innerhalb der Redaktion. Auch die Artikellänge muss unmissverständlich definiert werden, am besten nimmt man hier als Richtwert die Zeichenanzahl. Oft ist es auch der Fall, dass zwei oder mehrere Leute gemeinsam einen Artikel verfassen wollen. Hierbei sind klare Arbeitsvereinbarungen und eine gute Koordination untereinander gefragt.


Redaktionsschluss
 


Nicht nur die Namensgebung und Themenfindung sollten ausführlich besprochen werden, auch der Redakionsschluss muss abgeklärt werden. Zwischen Redaktionssitzung und Redaktionsschluss liegen meist maximal zwei bis drei Wochen. Für Korrekturlesen, Umschreiben und unverbesserliche NachzüglerInnen wird eine Woche in Anspruch genommen. Letztendlich fällt noch eine weitere Woche für Layout an.

Der tatsächliche Erscheinungstermin sollte auch jedem/r Redakteur_in bekannt sein, da er einen guten Anhaltspunkt für die zu erwartende Aktualität des Artikels darstellt.

Check it: Der/die Chefredakteur_in sollte stets eine Pufferzone im Rahmen von einer Woche im Hinterkopf behalten, da mit pünktlicher Artikelabgabe leider nicht zu rechnen ist.
 Routine in der Redaktion

Die erste Redaktionssitzung ist zwar einerseits die zeitintensivste, andererseits aber auch die spannendste. Denn hier werden die wichtigsten Eckpfeiler für das zukünftige Profil der Zeitung festgelegt. Die nachfolgenden Redaktionssitzungen könnte man stets mit einer Besprechung der letzten Ausgabe beginnen, also sozusagen eine Stärken/Schwächen-Analyse durchführen. Anschließend passiert die Themenfindung und Artikelvergabe wie gehabt.


Tipp:

Der/die Chefredakteur_n sollte seine/ihre koordinierende Aufgabe wahrnehmen und auch zwischen Redaktionssitzung und -schluss ständig in Kontakt mit den RedakteurInnen sein. Ein bisschen Dampf machen...